Augenblick mal: Was ist Zeit und wo ist das Gefühl? | Leben & Fotografie

Das Bild für den Beitrag hatte ich gestern schon rausgesucht (es ist eines von meinem alten Blog – so viel zum Thema Zeit), aber konnte meine Gedanken zum Thema Zeit, auch wenn der Artikel damals auch um das Thema Zeit ging, nicht festhalten. Ich habe wohl noch Zeit gebraucht, alleine daheim, an meinem Küchentisch, mit dem Blick auf meine Kamera, die mich vorwurfsvoll anschaut, weil sie schon lange nicht mehr draußen in der Natur war. Dabei fühlst sie sich dort sehr wohl – und ich mich auch. Diesen Weg zum Wald, den ich so sehr liebe, habe ich schon länger nicht mehr gemacht – Vorweihnachtsstress, Weihnachsstress, Silvester und dann das neue Jahr scheinbar voller Möglichkeiten. Das neue Jahr mit seinen Möglichkeiten? Neuen Möglichkeiten? Im Ernst, dass ist in meinen Augen kompletter Bullshit. Warum braucht man einen ersten Januar um etwas neues zu beginnen, etwas neues zu erleben oder auch etwas neues an sich entdecken zu wollen. Die beyourbestself-Industrie wirbt um diese Zeit wahrscheinlich besonders mit Wegen, die man gehen kann, um sich ein schönes neues Jahr zu bescheren, das meist schon in der dritten Januarwoche vergessen ist. Und was passiert dann? Wir kehren in alte Gewohnheiten und Muster zurück, die mit unseren guten Vorsätzen rein gar nichts mehr gemein haben. Nicht dass ich grundsätzlich gegen eine beyourbestself-Bewegung bin, aber setze es doch um, wenn Dir danach ist und nicht weil der 1.1. vor der Tür steht und Du bis dahin zwanghaft versuchst herauszufinden was Du ändern möchtest und vielleicht eher halbherzig zu semi-erfüllbaren Vorsätzen greifst, bei denen es Dich schon im Februar ärgert, dass Du sie nicht erfüllen konntest. Wieso nimmst Du dir dafür nicht Zeit (der 17. Juli oder der 28. September sind genau so ein Datum wie der 1.1)? So viel zu dem Thema Vorsätze, das ich unbedingt unterbringen wollte und mir wohl die Zeit fehlte, das auf eine schöne Art und Weise umzusetzen. Aber wie setzt man Wahrheit oder eine Meinung am Rande schon schön um? Genau.

Um nun doch zum Thema Zeit zurückzukehren: Zeit ist ein kostbares Gut, dass sich schwer in Worte fassen lässt. Zeit ist manchmal nur die Beobachtung, dass der Regen in Tropfen auf die Erde fällt und sie aufweicht, Zeit sind die Augenblicke, die morgens verstreichen während der Kaffee aufbrüht, Zeit sind Momente zwischen Himmel und Erde, die so unfassbar schön sind, dass Du sie festhalten möchtest. Zeit ist alles und nichts. Zeit festhalten ist unheimlich schwierig, wenn nicht sogar unmöglich (denn sie vergeht, trotz dass Du in dem Moment verharrst, ihn genießt und Du ihn von Herzen gerne festhalten würdest – der Moment geht dennoch vorbei). Einen Moment erneut genauso zu erleben wie einen anderen zuvor ist definitiv unmöglich, schon allein weil Du in einer anderen Stimmung bist, neue Erfahrungen dazugekommen sind, Du vielleicht sogar insgesamt eine neue Sichtweise auf das Leben eingenommen hast und Dir aufgrund dessen andere Gedanken als zuvor in den Sinn kommen. Zeit ist deshalb einerseits ein unheimlich schönes Geschenk, andererseits prägt einen Menschen das Vergehen von ihr, von Momenten und Augenblicken, die sich im Nichts auflösen und zu verpiffen scheinen – die Kunst besteht darin sie in jeglicher Hinsicht, den Moment und den kleinsten Augenblick, zu schätzen oder schätzen zu lernen (denn er ist vergänglich). So wie dieser wunderbare Moment vor einem guten Jahr als ich mit herzlichster Freude dieses Foto von der Uhr gemacht habe, womit ich für mich einen Moment festhalten konnte, denn ich erinnere mich wie gestern an das Gefühl vollkommener Zufriedenheit und Glück, dieses Ausprobieren von Winkeln und Bildaufteilung zwischen der Detailtreue, die an dem Ziffernblatt hängt. Also kann ich doch ein wenig – vielleicht nicht die Zeit – aber ein Gefühl festhalten: in schwarz/weiß auf einer Holzkiste mit einem weißen Ziffernblatt.

Welche Momente/Zeit schätzt Du sehr?

Ein Kommentar zu „Augenblick mal: Was ist Zeit und wo ist das Gefühl? | Leben & Fotografie

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