Über Angst…

Die Angst schnürt ihr die Kehle zu.

Sie überlegt… Was wäre wenn das oder jenes passiert? Was ist wenn sie zusammen bricht? So weit weg von zu Hause, weit weg von der heimeligen Atmosphäre, die sie zu beschützen scheint, so warm und voller Geborgenheit mit allem Gewohnten, dem Mix aus „ich könnte, aber muss nicht…“ und sie muss doch gar nichts. Nur sein. Daheim sein und am Rande fast ungesunder Isolation von jedem und allem ihr Leben weiterleben ohne das, was sie woanders erwarten könnte. Sie hätte nichts zu befürchten, keine Angst vor dem Unbekannten, dem Neuen, dem vielleicht Großartigen, vielleicht Beängstigendem. Nichts. Nur weiße Wände ohne Leben, ein warmes Bett, ein Alltag ohne Angst. Eine schöne Vorstellung. Was sie erst viel später begreift: Sie hat eine Angststörung.

Wer ist sie?

Sie ist ein früheres Ich. Ein Ich, dass sich gut zwei Jahre später in einem Flugzeug in die USA befindet, allein. Ein Ich, dass sich zwei Wochen mit einem riesigen Auto von Vegas aus auf den Weg die Westküste entlang begibt, mit Abstechern in traumhaften Nationalparks, als Badezimmer jeden Waschraum in einem Supermarkt als das eigene annimmt, das Auto auf Parkplätzen als Schlafzimmer umfunktioniert, in den Grand Canyon wandert, am Strand von Santa Monica nach einer Joggingrunde duscht, den Moro Rock im Sequoia National Park, trotz unheimlicher Höhenangst, hoch läuft. Ein Ich, das fern von Zuhause die natürliche Schönheit genießen kann und wie ein Schwamm alle Eindrücke in sich aufsaugt als hätte es nur darauf gewartet diese zu sehen und zu erleben. Ein Ich, dass sich vor kurzem einen Reiseführer für einen kurzen Städtetrip durch Prag gekauft hat, ein Ich, dass demnächst den Camino Portugues läuft – beides alleine. Ich.

Wer weiß, ob die Ängste anderer nicht ausschließlich unsere eigenen sind, die wir uns gedanklich heranziehen und nähren, dass es uns unmöglich scheint darüber hinweg zu blicken. Die eigenen Ängste sind vielleicht nur Schall und Rauch, die sich im Nichts auflösen, wenn wir beginnen sie zu ignorieren, sie wegzuschieben oder auch zu akzeptieren und dennoch zu überschreiten. Dennoch haben Ängste oder zumindest das mulmige Gefühl eine Funktion: Schutz.

Um das gedanklich fortzuführen kannst Du dir folgende Fragen stellen:

1) Habe ich Angst, weil ich mir die schlimmsten Situationen ausmale?
2) Habe ich Angst, weil ich damit ein schlechtes Erlebnis verbinde?
3) Habe ich Angst, weil es mir mein Körper signalisiert? (das bekannte mulmige Gefühl)
Zuletzt: Habe ich Angst, weil jemand anders/Etwas mir diese Angst eingeflößt hat? (an dieser Stelle Fragen 1) bis 3) durchgehen)

Das sind die Fragen, die ich Dir aus meiner persönlichen (Angst)erfahrung mit auf den Weg geben kann. Wie ich schließlich feststellen musste, als ich am Grand Canyon (also am Arsch der Welt) mit einem kaputten Auto stand und dieses durch die Verleihfirma (und einem tollen Kundenservice) ersetzt bekam: Es kann der größte Mist passieren und es geht auch viele tausend Kilometer weiter – wie auch im normalen Leben.

Frei von Angst.
Frei von schlechten Gedanken.
Frei von Angst.

Foto: eigene Aufnahme, USA, Arizona, Grand Canyon, Skeleton Point

Ein Kommentar zu „Über Angst…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s