Ein kleiner Schritt: Von Nebel und Sonne | Fotografie

Es ist Morgen. der Zeiger der Uhr bewegt sich zwischen den Zahlen. Langsam wandert er auf acht Uhr. Draußen ist es nebelig und der Tag beginnt seinen Lauf. Neun Uhr. Der Nebel bleibt. Fein säuberlich gepackt steht der Rucksack da, eine Literflasche klemmt an der Seite. Innen drin Gewicht, nichts Besonderes, nur Schwere. Die Tür schließt von außen. Ein Schritt vor den anderen setzend mit dem Gewicht auf dem Rücken laufe ich los. Einen gewohnten Weg. Schritt für Schritt mit nur einem Ziel. Gehen. Laufen. Ein Fuß vor den anderen und wieder vor den nächsten. Gedankenlos, frei, ohne Fokus. Der Weg entlang des Flusses, wo der Frühling den Nebel küsst, ganz sacht und leise. Niemand ist da. Außer ich.

Ich gehe weiter. Unzählige Schritte später. Die Sonne. Sie lacht durch die Baumstämme auf den Weg vor mir. Als wäre sie schon immer da gewesen. Lacht mir ins Gesicht und zaubert mir ganz natürlich ein Lächeln auf die Lippen.

Während ich die Sonne in mir aufsauge, die Augen schließe und ganz bei mir bin, verliere ich mich in Gedanken und merke wie ich loslasse. Was auch immer, wie schwer das Gewicht auf meinem Rücken auch ist, ich lasse los. Es geht nicht um die Schwere auf meinen Schulter, nicht um den Hüftgurt, der auf die Naht meiner Kleidung drückt und Druckstellen verursacht, nicht um den Wanderschuh, der an der linken Ferse Blasen hervorruft. Es geht um den Weg. Es geht um das Laufen. Es geht um den Moment.

Es geht um den Moment auf den Nebel zu blicken, der einen guten Blick, ein Detail oder den Fokus in der Weite nicht zulässt und dabei zu merken, dass der Nebel in der Ferne nicht weiter von Bedeutung ist. Er ist da, ob wir es manchmal möchten oder nicht. Sich dennoch auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren, vielleicht auch auf das Gewicht, das die Schultern ein wenig schmerzen lässt, vielleicht auch nur auf den einen richtigen Schritt vorwärts, kann einem bewusst machen, dass man die Sonne, die alles erhellt nicht im Nebel, sondern ausschließlich bei sich selbst zu finden ist. Bei den Füßen, im Lächeln und in sich.

Vom Nebel zur Sonne ist es manchmal nur ein kleiner Schritt.

2 Kommentare zu „Ein kleiner Schritt: Von Nebel und Sonne | Fotografie

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