Kolumne: Let’s talk about… Gepäck

Gepäck für Prag
1 kleiner Rucksack
1 kleine Tasche

Gepäck, das vollkommen ausreicht für einen 3-tägigen Städtetrip und im Grunde auch im Leben. Wie viel kann ein Mensch tragen ohne das Gleichgewicht zu verlieren oder unter dem Haufen an Dingen zu ersticken? Oder ohne sich zu fragen, ob es vielleicht an der Zeit wäre Ballast abzuwerfen – sei es materiell, emotional oder mental?

Schon im Bus nach Prag merke ich, dass ich in allen Fällen die richtige Entscheidung getroffen habe und reflektiere 11 Jahre zurück zu einer Zeit in der ich mir tatsächlich Gedanken über unterschiedliche Accessoires gemacht habe, die ich im Urlaub zu dem einen oder anderen Outfit tragen kann.

Teneriffa 2008 – 14 Tage
Die Accessoires sind in einem extra Täschchen, das Make-Up in einem anderen und die Hygieneartikel kommen in den Kulturbeutel (zumindest so viele wie rein passen). Nun sind mindestens schon 15% des Koffers mit Dingen belegt, die vielleicht nur zu 20% genutzt werden. Tops, T-Shirts, Kleider, Hosen, Bikinis (mindestens 3), Schuhe (und davon mindestens fünf Paar), Unterwäsche, Socken, zwei Handtücher. Beim Schließen des Koffers knie ich mich auf den Deckel und bekomme ihn mit aller Kraft auch endlich zu. Kurz vor Abflug: Hätte ich doch noch diese Ohrringe oder dieses Oberteil mit eingepackt. Der übervolle Koffer ist mittlerweile im Frachtraum und ich ärgere mich, dass ich nicht vorher daran gedacht habe. Am Ende des Urlaubs hatte ich maximal 60% des Inhalts benutzt oder getragen. Die restlichen 40% waren unnötiger Ballast und vollkommen überflüssig.

Prag 2019 – 3 Tage
Ob ich die Kamera mitnehmen soll? Die Handykamera reicht sicher. Zwei T-Shirts, Schlafsachen, ein Pulli, ein Paar Sommerschuhe, etwas Unterwäsche und Wandersocken. Mascara? Mal für den Fall der Fälle. Die kommt zur Zahnbürste in ein kleines Täschchen in dem sich auch Shampoo & Co. befinden. Noch kurz die Tickets in die Tasche mit Geldbeutel und Handy. Fertig!

11 Jahre und ein himmelweiter Unterschied. Von Konsum und noch mehr Gepäck zu Minimalismus und Freiheit. Freiheit, die sich nicht nur im kleinen Gepäck widerzuspiegeln scheint, sondern auch im Leben. Hier und da blitzt etwas Ballast auf, kommt zum Vorschein, dringt durch mich durch und wird wieder in eine Schublade aus Luft gepackt, in der sich all das Gerümpel befindet, welches mittlerweile nicht mehr viel Gewicht hat. Mir zu überlegen, welches Gewicht mich ausbremst oder eher voran bringt, hat mir dabei geholfen mein Paket auf dem Rücken zu verkleinern und leichter zu machen. Nicht nur für Urlaube, sondern auch im täglichen Leben.

Wie es geht weniger Gepäck zu tragen?

Eine kleine Anleitung
1) Überlege was Du brauchst und was nicht. Was ist funktional und was ist Schnick-Schnack? Was bremst Dich beim (Weiter)Gehen?
2) Was Du nicht brauchst legst Du beiseite oder in eine metaphorische Schublade. Es ist immer noch da, aber nicht mehr auf Deinen Schultern.
3) Gehe und erlebe wie sich das Laufen mit Deinem Gepäck anfühlt? Besser? Leichter? Vermisst Du etwas?


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