Mein Jakobsweg: Ohne Worte, mit Fakten und gelben Pfeilen | Camino de Santiago portugues

Mir fehlen die Worte. Zum ersten Mal fällt es mir unglaublich schwer einen Blogartikel zu schreiben. Egal wie ich anfange oder was ich schreibe, kommt es nicht dem nahe was ich in den 10 Tagen auf dem Jakobsweg erlebt habe. Schreibe ich über das Übergewicht auf meinem Rücken (11-12 kg statt vorbildliche 10% meines Körpergewichts) und die doofe Hornhaut, die ich am Ende von Tag drei endlich entfernen konnte, oder versuche ich meine Gedanken eher philosophisch zu sortieren? Soll ich über die unglaublichen Etappen von über 30 km in brütender Hitze auf kochendem Asphalt bei 30 Grad berichten oder von diesem einen unglaublichen Moment erzählen, den ich nach ein paar Tagen auf der Straße mitten in einem Dorf hatte? Vielleicht wäre aber auch die Ankunft in der ersten überfüllten Herberge spannend, bei der ich hinter der Rezeption auf Decken neben dem Staubsauger geschlafen habe? Wie ich es auch schreibe, fühlen sich all die Gedanken, Wege und Eindrücke zu mächtig an, um sie in einen Artikel zu packen.

Vielleicht reichen zunächst ein paar Fakten.

Reise: Camino de Santiago portugues
Grund für die Reise: nicht definiert
Weg: Porto – Santiago de Compostela
Route: Küstenweg bis Vila do Conde (1 Tag), dann der traditionelle Weg
Distanz: Reiseführer: ca. 254 km, Runtastic: 284,74 km
Wanderzeit: 9,5 Tage
km / Tag (Reiseführer): 26,74 km / Tag
Rucksack / Gewicht: 55+10 l / 11-12 kg
Schwachstellen: Rucksack, Hornhaut an den Füßen, leichte Panik nicht rechtzeitig für den Rückflug in Santiago de Compostela zu sein
Wichtige Erkenntnisse: min. 2
Orientierung: Reiseführer, gelbe Pfeile, hilfsbereite Einwohner, km-Steine, Jakobsmuschel
Liebe Menschen: unheimlich viele

Detaillierte Route / km
Tag 1: Porto – Vila do Conde / 33,0 km
Tag 2: Vila do Conde – Barcelinhos / 30,1 km
Tag 3: Barcelinhos – Ponte de Lima / 33,5 km
Tag 4: Ponte de Lima – Pacos / ca. 25 km
Tag 5: Pacos – O Porrino / 28,9
Tag 6: O Porrino – Arcade / 21,9 km
Tag 7: Arcade – Portela / 22,8 km
Tag 8: Portela – O Pino / 21,4 km
Tag 9: O Pino – Kloster Herbon – Teo / 23,3 km
Tag 10: Teo – Santiago de Compostela / 14,1 km

Fazit
Trotz Vorbereitungen habe ich mit vielem nicht gerechnet. Trotz der Erfahrungen, die ich gemacht habe, weiß ich, dass jedwede schriftliche Niederlegung in einem Blogartikel nicht das wiederspiegeln kann, was in diesen knapp zehn Tagen passiert ist. Trotz der vielen Artikel, die Menschen zu ihrem Jakobsweg verfassen (meist leider etwas eintönige Tag-für-Tag-Beschreibungen), ist meine Meinung, um sich einen Eindruck von dieser Pilgerreise zu verschaffen, genau eine:

Lauf den Weg selber!

Kein Beitrag, keine noch so detaillierte Aufschlüsselung noch so kleinster Gedankenwege, keine Bücher und auch keine philosophischen Zitate können Dir annähernd das geben was Dir dieser Weg geben kann, wenn Du es zulässt. Meine Fragen und Gedanken, die ich mir im Allgemeinen davor gemacht hatte, konnte ich mir auf dem Weg zu ca. 92,834 % beantworten.

Ob ich noch einen weiteren Artikel zum Jakobsweg verfasse oder einfach nur diese Fakten stehen lasse, entscheide ich noch und lasse Dich mit einem vorerst abschließenden Zitat, einer Buchempfehlung und visuellen Eindrücken alleine:

Traue keinem Gedanken, der im Sitzen kommt.

Friedrich Nietzsche

Buch
Albert Kitzler: Vom Glück des Wanderns – eine philosophische Wegbegleitung

Bom Caminho!

Von Vielleichts und einem Eis am Boden…

Manchmal habe ich das Gefühl alles falsch gemacht, mich falsch entschieden, alles falsch angefangen zu haben. Und dann ist es Sonntag, die Sonne scheint, und ich möchte einfach nur raus. Entspannen, Rad fahren, irgendwo gemütlich sitzen, zeichnen, Eis essen und den langsam beginnenden Sommer, die ersten warmen Tage, genießen. Dann geht das Gefühl weg.

Was davon bleibt?

Nichts.
Nur die Gewissheit, dass das Gefühl manchmal etwas falsch gemacht, falsch entschieden oder falsch angefangen zu haben nur reflektiert so scheint. Es wird schließlich von der Gewissheit eingeholt, dass ich ohne all diese vermeintlichen Fehler, angeblich falschen Entscheidungen und die scheinbar falschen Anfänge, vielleicht nicht dort wäre wo ich heute stehe.
Ich vielleicht nicht sonntags bei Sonnenschein und mit einem Lächeln im Gesicht auf mein Rad steigen würde um irgendwo Freunde zu treffen. Ich vielleicht nicht in einem, auf dem Gehsteig liegenden, Eis ein Fotomotiv sehen würde (das mich zu diesem Artikel inspiriert hat). Ich vielleicht nicht der Mensch wäre, der ich heute bin, mit einem leckeren Soja-Vanille-Eis in der Hand, das glücklicherweise nicht auf der Straße gelandet ist. Ich vielleicht nicht alles richtig gemacht habe, aber aus allem Falschen das möglichst Beste und damit vielleicht genau das Richtige.

Vielleicht.

Der Natur so nah… auf Knien | Fotografie

Sonntag. Der Blick auf die Uhr neben meinem Bett lässt mich wissen, dass der Tag im Grunde schon halb vorbei ist. Zum Teufel mit der Uhrzeit. Es ist Sonntag. Kaffee und Kamera machen den Rest.

Ich habe lange nach einem Ort gesucht an dem ich vollkommen zur Ruhe komme und mich nichts, rein gar nichts, aus dieser wieder rausreißen kann. So bin ich in der Natur gelandet – ohne Yogamatte unter dem Arm, ohne Meditation und halbem Lotussitz (ganz bekomme ich ihn nicht hin). Nur die Kamera und der Wald.

Auch wenn sich sonntags in dem Wald um die Ecke Menschen tümmeln. Sie nutzen den Sonntag für einen Spaziergang, Familienausflüge oder die große Runde mit dem Hund und die Ruhe mit dem Vogelgezwitscher wird durch menschliche Geräusche wie die Räder eines Fahrrads auf dem noch feuchten Waldboden, Kindergeschrei oder angeregte Gespräche durchbrochen. Trotz alle dem bin ich die Ruhe selbst und lasse mich von den Pfützen am Boden inspirieren, wofür ich auch mal auf die Knie gehe um das Bild so hinzubekommen wie ich es mir vorstelle.

Was mich an den Pfützen genau inspiriert und fasziniert hat?

Wenn man den Kontext weglässt entsteht ein vollkommen neuer Eindruck und eine ganz andere Perspektive auf die Natur, fast wie ein verkehrtes Gemälde, bei dem die Farben am Rand den Inhalt gekonnt einrahmen oder unruhige Stellen im Wasser das sonst klare Bild wie ein Stilmittel durchbrechen.
Die Natur ist da, sie ist nah, fast greifbar und doch nur eine Spiegelung dessen was sich tatsächlich um uns herum befindet.

Fährt jetzt jemand mit dem Fahrrad durch die Pfütze ist das Bild verschwommen, fast komplett verschwunden ähnlich wie die Zeit an einem schönen, sonnigen Sonntag.

Der Weg: Vorbereitung und Gedanken zum Camino Portugues | Tipps für Wanderanfänger

Die Füße sind weich von der Hirschtalgcreme, die Druckstellen an den Fersen sind mittlerweile ein dauerhafter Bestandteil meines Fußes. Es gibt keine Blasen mehr, aber eben kleine Druckstellen. Für den möglichen Regenschauer ist eine geliehene Regenhose vorgesehen. Der Regenponcho ist im Rucksack. Es scheint als wären alle Vorbereitungen getroffen. Trockene Kleidung. Weiche Füße. Keine Blasen. Einen Moment lang denke ich, dass ich an alles gedacht habe, was auf dieser Wanderung von Belang sein könnte. Einen Moment wiege ich mich in Sicherheit. Einen Moment. Nichts von den hilfreichen Vorbereitungen kann mich aber auf das vorbereiten was mich erwarten könnte. Kein Tape oder Schmerzgel und auch keine Regenhose kann mich davor bewahren was beim Gehen an die Oberfläche gelangen könnte. Auf dem Weg: dem Camino Portugues. Beim Gehen. Vollkommen bei mir. All das was kommen könnte wartet auf den unachtsamen Moment, in dem ich alles ablege, was mich scheinbar und vielleicht schützt. Nichts kann mich in dem Moment (be)schützen, auch keine Regenhose oder die wochenlange Vorbereitung auf diese lange Wanderung. Ob ich das möchte oder nicht.
Aber eines ist klar: Ich kann nicht darüber hinweg gehen.
Mit einer Hand fahre ich an den weichen Sohlen meiner Füße entlang, während mich das Gefühl überkommt, dass ich alles andere als vorbereitet bin – trotz Regenhose, trotz wochenlangem Laufen in den Wanderschuhen, trotz der Fußcreme und dem Tape in der Tasche.

Das sind die Momente, in denen ich merke, dass alle Vorbereitung nur verhindern kann, dass ich Blasen bekomme und durchnässt von einer Station zur anderen gelange. Was sonst auf mich wartet, weiß ich nicht und das macht es so unheimlich spannend, dass ich schon wieder Vorfreude empfinde – egal was passieren mag.

Anbei ein paar persönliche Tipps für alle Wanderbegeisterten

  1. Wanderschuhe
    Vorüberlegungen: Welche Jahreszeit? Wasserdicht oder aus Leder? Welcher Untergrund beim Wandern? Lass Dich hierzu im Laden beraten und probiere unterschiedliche Modelle an. Laufe ein wenig in Deinen Favoriten. Manche Läden haben hierfür extra Brücken oder steinige Untergründe zum Testen. Fragen, die Du dir stellen kannst: Welcher fühlt sich auf Anhieb gut am Fuß an? Welcher drückt schon nach ein paar Minuten? Nicht jeder Fuß ist gleich, sodass Du auch für Deinen das passende Paar finden darfst.
  2. Laufen
    Laufe Deine Wanderschuhe Stück für Stück und mit immer längeren Touren ein: Zu Hause, auf dem Weg ins Büro, beim Spazierengehen mit einer Freundin, Halbtagestour. Wenn Du deine Schuhe bei der ersten Wanderung über eine längere Strecke trägst, können Blasen auftreten. Zeit und Geduld hilft da, genauso wie die möglichen Problemstellen schon vorher oder bei der ersten leicht schmerzenden Druckstelle mit Tape abzukleben. Ich hatte selbst nach jeder Tour am Anfang Blasen an den Füßen und war kurz davor die Schuhe zu wechseln. Es hat schließlich aufgehört und nun sind es maximal Druckstellen. Hier ist aber jeder Schuh und Fall unterschiedlich.
  3. Hirschtalgcreme
    Die Creme macht die Füße geschmeidig und weniger anfällig für Blasen. Mit dem Eincremen kannst Du schon einige Wochen vorher anfangen. Ein Mal täglich, am besten vor dem Laufen, reicht.
  4. Ausrüstung
    Überlege Dir genau was Du in Deinen Wanderrucksack einpackst. Zu viel Gepäck ist auf Dauer schmerzhaft. Ca. 10% Deines Körpergewichtes sollten in den Rucksack inklusive Wasser (1-3 Liter je nach Länge des Wanderwegs).
  5. Rucksack
    Probiere unterschiedliche Rucksäcke an und lass Deinen Körper bzw. Rücken entscheiden welcher am besten passt. Gehe ein paar Runden im Laden und lass Dich beim Einstellen des Rucksacks beraten. Von Onlinekäufen würde ich persönlich wie bei Wanderschuhen abraten.
  6. Google
    Was Du nicht weißt und was Du auch hier bei den Tipps finden kannst, google. Es gibt viele Blogs, Magazine oder auch Outdoor Onlineshops, die tolle Tipps zum Thema Wandern, Blasen, Routen, Wanderschuhe, Ausrüstung & Co. haben:
    hillwalktours
    trekkinglife
    wander-pfade

Auf das was Du nicht vorbereitet bist und auch nicht vorbereitet sein kannst, ist das was bei der Wanderung, beim Gehen alleine weit weg von zu Hause, passiert. Dazu mehr in einem folgenden Blogartikel mit Gedanken, Fragen und höchstwahrscheinlich ohne Antworten.

Herzlich ♥ Caro

Foto: Naturreservat Divoka Sarka, Prag, Tschechien

Die Kunst des Bloggens: 7 Tipps zum Thema Bloggen

Manchmal habe ich ein Thema im Kopf, manchmal sprühe ich vor Kreativität und Ideen, manchmal ist mein Bloggerhirn aus und es ist einfach still – so wie jetzt. Die Gedanken zum neuen Beitrag kreisen zwar als Fetzen in meinem Kopf herum und ich weiß genau wie der Beitrag werden soll oder zumindest was ich damit transportieren oder welche Gedanken ich darin verpacken möchte, aber ich schaffe es nicht den Artikel zu schreiben. Es herrscht gähnende Leere in meinem Bloggerkopf und ich sehne mich geradezu nach dieser Ruhe, den seltenen Momenten in denen ich mal nicht über den nächsten Artikel nachdenke. So sehr ich das Bloggen liebe, weil es ein großartiger und bereichernder Bestandteil meines Lebens geworden ist, den ich nicht mehr missen möchte, so sehr wünsche ich mir manchmal, dass ich nicht jede kleinste Inspiration, Idee oder jeden Gedanken mental in einen Blogartikel umwandle. Zeitweise käme dabei absoluter Mist raus, ab und an braucht ein Thema Zeit um zu reifen und des öfteren verwerfe ich Ideen, wenn ich nicht wirklich weiter komme. Doch wie schaffe ich es Wichtiges von Unwichtigem zu trennen um meinen Anspruch zu erfüllen? Den Anspruch, dass der Blogartikel in irgendeiner Weise Substanz hat, Mehrwert bietet oder zumindest wortgewandt, provokant, inspirierend und/oder eine angenehme (manchmal geradezu therapeutische) Nebenwirkung hat. Ein Patentrezept dafür gibt es wohl kaum. Aber einige Grundgedanken oder Fragen helfen mir (und vielleicht auch Dir), dass ich nicht aus jeder kleinsten Mücke ein ausschweifendes, wortgewaltiges Orchester von Sätzen produziere, die am Ende keine Melodie ergeben. Meine Gedanken dazu habe ich Dir (vorerst) in sieben Tipps zum Thema Bloggen zusammen gefasst.

Eine kleine Anleitung für Blogartikel

  1. THEMA: Du hast ein Thema das Dich beschäftigt? Schreibe darüber und reichere es mit Beispielen, interessanten Situationen oder ursprünglichen (Grund)Gedanken an. Berufe Dich hierbei ggf. auf andere Artikel, eigene Erlebnisse oder eigene Recherchen.
  2. PROBLEME MIT LÖSUNG: Du hast etwas auf dem Herzen? Versuche Empathie herzustellen und zeige eigene Lösungswege auf. Wo ein Problem ist gibt es auch meist eine Lösung.
  3. ROTER FADEN: Du denkst Dein Thema ist eventuell etwas sinnfrei und ohne wirklichen roten Faden? Finde eine passende Analogie oder eine komische Situation, die das Thema in eine runde Sache verwandelt.
  4. UNWOHLSEIN BEIM SCHREIBEN: Du hast Angst über ein für Dich wichtiges Thema zu schreiben oder fühlst Dich beim Schreiben des Artikels unwohl? Lass es oder lass es zumindest eine Weile liegen. Dann bist Du noch nicht soweit das Thema aufzugreifen oder die Gedanken dazu müssen noch etwas reifen.
  5. EINSTIEG: Du findest ein supertolles Thema und bist mehr als motiviert einen Artikel zu verfassen aber findest keinen passenden Anfang? Schreibe es genau so. Absolute Ahnungslosigkeit wie Du mit dem Artikel zu Thema XY beginnen sollst ist besser als die gezwungen schön klingende Worte aus dem Allerwertestes zu ziehen, die sich dann genau so anhören als hättest Du sie daher.
  6. VIELE IDEEN: Du weißt vor lauter tollen Ideen oder Themen gar nicht mehr wo Dir der Kopf steht? Mach Dir eine Liste mit Deinen Ideen und schreibe darüber wie Dir danach ist.
  7. EINFACH SCHREIBEN: Dir geht es wie mir gerade und Du merkst dass Dein Artikel noch Zeit braucht um zu reifen, Du möchtest aber dennoch etwas schreiben, weil Du Lust dazu hast? Krame ein Thema aus Deinem übergroßen Topf mit Ideen und beginne einen Artikel darüber zu schreiben.

Sieben Tipps und ich bin noch lange nicht am Ende. Mal sehen wann der nächste Artikel zum Thema Bloggen einen Weg auf meinen Blog findet 🙂 Was noch alles wichtig sein könnte, findest Du bei diesen Tipps rund ums Bloggen.

Du hast Fragen oder möchtest generell etwas über das Bloggen wissen?
Schreibe mir – ich helfe gerne weiter!

Herzlichst ♥ Caro

Kolumne: Let’s talk about… Gepäck

Gepäck für Prag
1 kleiner Rucksack
1 kleine Tasche

Gepäck, das vollkommen ausreicht für einen 3-tägigen Städtetrip und im Grunde auch im Leben. Wie viel kann ein Mensch tragen ohne das Gleichgewicht zu verlieren oder unter dem Haufen an Dingen zu ersticken? Oder ohne sich zu fragen, ob es vielleicht an der Zeit wäre Ballast abzuwerfen – sei es materiell, emotional oder mental?

Schon im Bus nach Prag merke ich, dass ich in allen Fällen die richtige Entscheidung getroffen habe und reflektiere 11 Jahre zurück zu einer Zeit in der ich mir tatsächlich Gedanken über unterschiedliche Accessoires gemacht habe, die ich im Urlaub zu dem einen oder anderen Outfit tragen kann.

Teneriffa 2008 – 14 Tage
Die Accessoires sind in einem extra Täschchen, das Make-Up in einem anderen und die Hygieneartikel kommen in den Kulturbeutel (zumindest so viele wie rein passen). Nun sind mindestens schon 15% des Koffers mit Dingen belegt, die vielleicht nur zu 20% genutzt werden. Tops, T-Shirts, Kleider, Hosen, Bikinis (mindestens 3), Schuhe (und davon mindestens fünf Paar), Unterwäsche, Socken, zwei Handtücher. Beim Schließen des Koffers knie ich mich auf den Deckel und bekomme ihn mit aller Kraft auch endlich zu. Kurz vor Abflug: Hätte ich doch noch diese Ohrringe oder dieses Oberteil mit eingepackt. Der übervolle Koffer ist mittlerweile im Frachtraum und ich ärgere mich, dass ich nicht vorher daran gedacht habe. Am Ende des Urlaubs hatte ich maximal 60% des Inhalts benutzt oder getragen. Die restlichen 40% waren unnötiger Ballast und vollkommen überflüssig.

Prag 2019 – 3 Tage
Ob ich die Kamera mitnehmen soll? Die Handykamera reicht sicher. Zwei T-Shirts, Schlafsachen, ein Pulli, ein Paar Sommerschuhe, etwas Unterwäsche und Wandersocken. Mascara? Mal für den Fall der Fälle. Die kommt zur Zahnbürste in ein kleines Täschchen in dem sich auch Shampoo & Co. befinden. Noch kurz die Tickets in die Tasche mit Geldbeutel und Handy. Fertig!

11 Jahre und ein himmelweiter Unterschied. Von Konsum und noch mehr Gepäck zu Minimalismus und Freiheit. Freiheit, die sich nicht nur im kleinen Gepäck widerzuspiegeln scheint, sondern auch im Leben. Hier und da blitzt etwas Ballast auf, kommt zum Vorschein, dringt durch mich durch und wird wieder in eine Schublade aus Luft gepackt, in der sich all das Gerümpel befindet, welches mittlerweile nicht mehr viel Gewicht hat. Mir zu überlegen, welches Gewicht mich ausbremst oder eher voran bringt, hat mir dabei geholfen mein Paket auf dem Rücken zu verkleinern und leichter zu machen. Nicht nur für Urlaube, sondern auch im täglichen Leben.

Wie es geht weniger Gepäck zu tragen?

Eine kleine Anleitung
1) Überlege was Du brauchst und was nicht. Was ist funktional und was ist Schnick-Schnack? Was bremst Dich beim (Weiter)Gehen?
2) Was Du nicht brauchst legst Du beiseite oder in eine metaphorische Schublade. Es ist immer noch da, aber nicht mehr auf Deinen Schultern.
3) Gehe und erlebe wie sich das Laufen mit Deinem Gepäck anfühlt? Besser? Leichter? Vermisst Du etwas?


Ein kleiner Schritt: Von Nebel und Sonne | Fotografie

Es ist Morgen. der Zeiger der Uhr bewegt sich zwischen den Zahlen. Langsam wandert er auf acht Uhr. Draußen ist es nebelig und der Tag beginnt seinen Lauf. Neun Uhr. Der Nebel bleibt. Fein säuberlich gepackt steht der Rucksack da, eine Literflasche klemmt an der Seite. Innen drin Gewicht, nichts Besonderes, nur Schwere. Die Tür schließt von außen. Ein Schritt vor den anderen setzend mit dem Gewicht auf dem Rücken laufe ich los. Einen gewohnten Weg. Schritt für Schritt mit nur einem Ziel. Gehen. Laufen. Ein Fuß vor den anderen und wieder vor den nächsten. Gedankenlos, frei, ohne Fokus. Der Weg entlang des Flusses, wo der Frühling den Nebel küsst, ganz sacht und leise. Niemand ist da. Außer ich.

Ich gehe weiter. Unzählige Schritte später. Die Sonne. Sie lacht durch die Baumstämme auf den Weg vor mir. Als wäre sie schon immer da gewesen. Lacht mir ins Gesicht und zaubert mir ganz natürlich ein Lächeln auf die Lippen.

Während ich die Sonne in mir aufsauge, die Augen schließe und ganz bei mir bin, verliere ich mich in Gedanken und merke wie ich loslasse. Was auch immer, wie schwer das Gewicht auf meinem Rücken auch ist, ich lasse los. Es geht nicht um die Schwere auf meinen Schulter, nicht um den Hüftgurt, der auf die Naht meiner Kleidung drückt und Druckstellen verursacht, nicht um den Wanderschuh, der an der linken Ferse Blasen hervorruft. Es geht um den Weg. Es geht um das Laufen. Es geht um den Moment.

Es geht um den Moment auf den Nebel zu blicken, der einen guten Blick, ein Detail oder den Fokus in der Weite nicht zulässt und dabei zu merken, dass der Nebel in der Ferne nicht weiter von Bedeutung ist. Er ist da, ob wir es manchmal möchten oder nicht. Sich dennoch auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren, vielleicht auch auf das Gewicht, das die Schultern ein wenig schmerzen lässt, vielleicht auch nur auf den einen richtigen Schritt vorwärts, kann einem bewusst machen, dass man die Sonne, die alles erhellt nicht im Nebel, sondern ausschließlich bei sich selbst zu finden ist. Bei den Füßen, im Lächeln und in sich.

Vom Nebel zur Sonne ist es manchmal nur ein kleiner Schritt.

Abendspaziergang: Schnappschuss oder dieser eine Moment | Fotografie

Der Weg nach Hause von der Arbeit. Insgesamt 4,9 km. Knapp 50 Minuten. Der Weg am Fluss entlang, etwa 15 Minuten des kompletten Weges, auf Beton mit grün rechts und links. Das Sonnenlicht bricht zur Abendstunde durch die Zweige über das Wasser bis hin zur Linse und direkt in mich hinein. Ich sauge es auf wie ein Schwamm. Der Frühling zeigt sein Gesicht und ich komme nicht umhin mich zu fragen: Kann nicht alles ein wenig wie der Frühling sein? Diese wunderbare Zeit, wenn alles ein Stückchen heller und sonniger wird. Wenn sich das Gemüt von der kalten und teils bedrückenden Winterzeit loslöst und sich in ein neues Kleid verwandelt, das mit Leben, Energie und Inspiration geschmückt ist, welches sich umgehend und mit all seinen Fasern und mannigfaltigen Facetten um einen herum legt wie eine zweite Haut. Wenn der Alltag schwindet und sich ein wunderbares Gefühl der Leichtigkeit und Freiheit breit macht wie eine große Kelle mit Eierkuchenteig in einer Pfanne mit Öl.

Wenn sich einem die Natur in ihrer zutiefst natürlichen Schönheit offenbart und es nichts weiter kostet als für einen Moment inne zu halten und diesen Augenblick zu genießen. Wenn man die Möglichkeit besitzt das zu sehen, sich dessen bewusst wird und realisiert, dass man sich ausschließlich dieser Schönheit hingibt.

In dieser kurzen Sekunde.
In diesem wunderbaren Augenblick.
In diesem einen Moment.

Ein langer Weg: Zwischen Selbstfindung und der Faszination des Gehens | Camino Portugues

Es sind nur Schritte. Ich setze einen Fuß vor den anderen. Kilometerweit. Ohne tatsächliches Ziel. Meist in der Natur, alternativ überall – ohne Fahrrad, ohne Bus, Bahn oder Auto. Der Moment, wenn nichts anderes Bedeutung hat als das Gefühl frei zu sein und diese Freiheit in all ihrer Form auf diese Weise zu genießen und das immer in dem Augenblick, wenn ich mich entscheide ausschließlich meinen Füßen zu vertrauen. Ein wunderbares Gefühl. Ein Gefühl von absoluter Freiheit, den eigenen Weg zu gehen – natürlich am liebsten in der Natur 🙂


Ich könnte jetzt anfangen von Beweggründen zu sprechen, die mich dazu bewogen haben vor Jahren und nach langer Zeit das Gehen wieder für mich entdeckt zu haben, von Scherben, Schmerz und einem wenig bis nicht vorhandenen Selbstwert hier und da, Selbstzweifeln, gepflastert mit dem Wunsch alles perfekt hinzubekommen und damit (fast) ausschließlich zu scheitern.
All das ist vergangen, vergeben und verziehen (auch mir selbst) – irrelevant und nicht weiter von Bedeutung. Zumindest hat es für mich den Anschein. Es liegt hinter mir und seither bin ich so viele Schritte gegangen, kilometerweit, ohne Verkehrsmittel (Freunde und Familie ausgenommen), oft allein und doch ab und an (und vielleicht ein Mal zu oft) mit dem Blick zurück in die Vergangenheit.

Vor ca. vier Jahren, im Frühjahr 2015, hatte ich das erste Mal den Gedanken den Camino zu laufen, die letzten 200 km eines Jakobsweges von Portugal nach Spanien. Damals war ich damit beschäftigt einige sperrige und scharfe Scherben zusammen zu fegen (neben Hausarbeiten in den Semesterferien) und mich nicht im Schmerz zu ersticken, der mich in allen Grundfesten bis ins Mark zu lähmen scheinte. Es reichte! Genug mit dem ganzen (Herzschmerz)Scheiß und nach vorne schauen! Im kommenden Sommer hatte ich den Camino halb vergessen, denn es gab ein neues Ziel: Raus aus dem Wohnheim und rein in die eigene Wohnung, rechtzeitig zum Beginn der Bachelorarbeit. Bis ich nach dem Sommer 2015 wieder an den Camino dachte, vergingen knapp zwei Jahre. Bis ich die Flüge dafür endlich gebucht hatte vergingen wieder gut anderthalb Jahre.

Nun ist es Frühjahr 2019. Vier teilweise harte, lehrreiche und sehr inspirierende Jahre nach dem ersten Gedanken an diesen Weg sind vergangen, aber die Flüge sind gebucht. Start ist Porto (Portugal), das Ziel Santiago de Compostela (Spanien). 215 km oder mehr liegen vor mir. Ein langer Weg voller Möglichkeiten, Eindrücke und Erlebnisse, die ich im Moment nur erahnen kann. Ein langer Weg, der mit Begegnungen der Vergangenheit, welche nicht zuletzt durch Schmerz, (Zukunfts)Ängste und Depressionen (bei denen ich erst danach wusste, das es welche waren) geprägt war, gefüllt sein könnte. Ein langer Weg, der mir zeigen könnte, dass ich heute nicht der Mensch wäre, der ich bin, wenn ich das alles nicht erlebt und überstanden hätte und der daraus mit einer größeren Stärke und mehr Selbstbewusstsein hervor gegangen ist als mancher Mensch vielleicht sein Leben lang nicht. Mal wieder ein Vielleicht, mal wieder ein Gedanke, der mich durchfährt wie eine glühender Blitz, der sich langsam den Weg durch meinen gesamten Körper bahnt, wenn ich zurück und gleichzeitig ins Jetzt und nach vorne blicke.

Ein langer Weg.

Leben & Alltag: Wie eine Seifenblase am Himmel…

Ich sitze am Tisch, im Hintergrund kommt ein wunderbar schnulziges Lied und ich frage mich ein Mal mehr warum ich blogge. Die einfache Antwort wäre „…weil ich es liebe“. Doch was genau liebe ich daran? Was sind die wunderschönen Momente und Augenblicke, die ich so sehr schätze, dass ich mich fern von Arbeit, Alltag & Co. noch an den Laptop verfrachte? Vielleicht das Gefühl genau in dem Moment befreit zu sein von genau all dem. Vielleicht weil ich es auf eine verdrehte und nicht nachvollziehbare Weise als ein Bestandteil meines Lebens und nicht als Arbeit sondern Freizeit betrachte. Vielleicht weil ich es wie eine große Seifenblase betrachte, die sich am Himmel befindet, durch die das Licht bricht und ich diesen Moment erlebe und seine Schönheit teile, weil ich im richtigen Moment auf den Auslöser gedrückt habe. Vielleicht ist es aber genau der eine Moment in dem ich anfange darüber zu schreiben.

Vielleicht.

Vielleicht ist es wie das Leben an und für sich, das wir hier und da in eine Blase hüllen möchten, die jegliche Farben offenbart und alles Schöne inne hat, das wir so sehr schätzen – ein Raum in dem alles möglich und nichts unmöglich erscheint. Vielleicht ist es ein Weg. Und da geht jeder seinen eigenen. Ab und an eben in einer großen Seifenblase am Himmel.

Und was passiert wenn sie platzt?

Dann bleiben Tropfen die ganz weich fallen und uns vielleicht einen noch besseren Blick ermöglichen, über die Seifenblase, Tropfen und den Himmel hinweg in das was wir außerdem noch sehen und genießen dürfen, was die Blase um wertvollen und inspirierenden Raum erweitert und sie schließlich Stück für Stück metaphorisch vergrößert. Wie schön doch Seifenblasen am Himmel (zum Fotografieren) sein können…

Was ist Deine Seifenblase?

Kolumne: Let’s talk about… Stillstand

Ich würde so gerne mal etwas Exotisches kochen – aber kann ich das überhaupt? Hmmm, die Pasta da sieht gut aus, mal sehen. Acht Minuten in der Mikrowelle – perfekt! Und mal was anderes als die übliche Lasagne.

Heute Abend mache ich auf jeden Fall Yoga und dehne mich ausgiebig zur Entspannung – aber habe ich dafür Zeit? Hmmm, ist die Couch bequem und meine Lieblingssendung kommt auch gerade. Sehr entspannend!

Mal mit dem Rucksack nach Indonesien und sehen was passiert – aber traue ich mich das? Hmmm, die Ferienwohnung in Italien ist so günstig dieses Jahr, die Nachbarn dort sind angenehm und der Pool ist so erfrischend und sauber.

Wie gerne würde ich mein Leben ein wenig ändern, nur ein bisschen – aber ist es so wie es ist nicht angenehm, sicher und unkompliziert?

So und anders könnten Gedanken und Fragen lauten, die sich wohl einige Menschen stellen, wenn nicht sogar mehr als nur einige. Fragen, die Selbstzweifel beinhalten, Ängste, Überlegungen über Zukünftiges, Zeit und monetäre Aspekte. Alles was zunächst eine spannende Grundüberlegung ist wird nachfolgend auf eine gewisse Art und Weise negiert. Es wird eine Begründung gesucht warum auf etwas Gewohntes und Vertrautes zurück gegriffen wird. Das ist der Moment, indem der Mensch still steht, wie erstarrt in seiner Angst, dass etwas Neues oder potentiell Spannendes nicht so gut sein, ihn an seine Grenzen bringen oder sein Leben gar komplizierter werden lassen könnte. Das soll nicht heißen, dass Stillstand etwas Schlechtes ist. Im Grunde ist es ein angenehmer Zustand, in welchem sich der Mensch wohl und geborgen fühlt, eine Komfortzone, die er sich geschaffen hat und in welcher er sich bewegen möchte. Ein Ort, der Sicherheit suggeriert, an dem kein Risiko eingegangen werden muss, ein Ort den wohl viele Menschen einem anderen, eher unbekannten Ort, bevorzugen.

Ausgehend von den vorangegangen Überlegungen stellt sich die Frage warum Menschen die Komfortzone so ungern verlassen. Warum scheuen sie Veränderungen oder Neues? Ist es tatsächlich die Angst, das Risiko, die Zeit? Oder ist es vielleicht viel mehr der Gedanke, dass das Unbekannte so weit weg, so unerreichbar, so unmöglich oder gar unrealistisch scheint (vielleicht auch wegen dem eigenen inneren Schweinehund), weil sie dafür tatsächlich einen Schritt aus ihrer Wohlfühlzone hinein in eine ihnen nicht vertraute Umgebung machen müssten? Und wenn das so sein sollte, wie kann man diese Hürde überwinden und sich bewegen und sein Leben somit ein wenig oder Stück für Stück verändern oder zumindest in Bewegung bringen?

Die einfache Antwort: Machen! Und das ohne Nachzudenken oder Begründungen zu suchen warum man es nicht machen sollte.

Du möchtest mal was Exotisches kochen? Such Dir ein Rezept raus (Internet, Kochbuch, Blogs,…), kaufe die Zutaten ein und lege los.
Du möchtest Yoga ausprobieren? Kauf dir eine Matte, gehe in einen Yoga-Kurs und atme ein und aus. Danach kannst Du immer noch auf die Couch.
Du möchtest mit dem Rucksack nach Indonesien. Lies Dir Erfahrungsberichte durch, such Dir schöne Routen heraus, kauf dir einen Reiseführer (da sind die meisten Infos drin, auch zwecks Impfungen, Kultur, Wetter, Kleidung, Bezahlmethoden, etc.) und buch die Flüge.

Du möchtest Dein Leben verändern, vielleicht Deine Einstellung dazu, Deinen Tagesablauf, Dein Wissen erweitern, mehr Sport machen?
Beginne damit und zwar jetzt. Nicht morgen, nicht in einer Woche, sondern jetzt. (Mehr dazu in einem folgenden Beitrag oder schon einmal hier in einem Artikel zum Thema Veränderungsprozess und Selbstoptimierung.)

Hast Du das Gefühl still zu stehen oder Dich zu bewegen? Wenn ja, welches der beiden und wie äußert sich das bei Dir?

Ich freue mich auf Deinen Kommentar,
Herzlichst ♥ Caro