Über ungeschriebene Blogartikel und unfertige Handstulpen | Selbsterwartung

Gestern wollte ich in aller Ruhe einen Blogartikel schreiben – über nicht geschriebene Artikel, die ich aber noch schreiben wollte: Über nahrhafte Gerichte für die Mittagspause (ich wollte auch mal eine neue Kategorie dafür aufmachen), über Selbstoptimierung, über selbst gestrickte Handstulpen (den Artikel gibt es noch nicht mal, aber ich wollte darüber schreiben wie ich dazu kam und welche Schwierigkeiten ich mit den fünf Nadeln hatte). Und genau wie die Artikel bleiben auch mal andere Sachen einfach liegen. Eine Handstulpe habe ich gestrickt (daher stammt das Bild), die andere ist noch in den Anfängen. Ob ich sie diesen Winter noch tragen kann weiß ich nicht, aber das hat mir gezeigt, das Stricken komplexer sein kann als nur Masche um Masche abzuwerfen. Das alles und das Wissen, dass ich gestern schon den Artikel schreiben wollte, hat mich zu dem Thema Selbsterwartung geführt, die Erwartungshaltung, die ich an mich als Mensch habe. Also habe ich mal wieder gegoogelt (ausschließlich um eine schöne Definition von Selbsterwartung zu finden) und stieß auf Artikel über Selbstwirksamkeitserwartung, bei der es darum geht als Mensch „aufgrund eigener Kompetenzen gewünschte Handlungen erfolgreich selbst ausführen zu können“. Ein Mensch der eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung besitzt – so die Annahme -, kann „gezielt Einfluss auf die Dinge und die Welt nehmen (internaler locus-of-control, siehe Kontrollüberzeugung), statt äußere Umstände, andere Personen, Zufall, Glück und andere unkontrollierbare Faktoren als ursächlich anzusehen“. Der nächste Artikel zum Thema Selbsterwartung beschäftigt sich mit der Psychologie des Gewinnens und begegnet der Thematik Selbsterwartung mit einem leicht selbsttherapeutischen Ansatz, welcher in einer Anleitung zum positiven Denken – mit einigen Tipps – mündet. An dieser Stelle wünsche ich mir manchmal, weniger zu googeln und vorher besser mein eigenes Hirn anzuschmeißen, was ich nun trotz der überaus ausführlichen Definitionen versuche.

Selbsterwartung (eine persönliche Definition)
Das Thema Erwartungen hat mich schon letztes Jahr ein wenig begleitet. Als ich es dann gestern wieder nicht geschafft habe einen Blogartikel über angedachte Themen zu verfassen, wollte ich das heute machen, was mich zum Thema Selbsterwartung geführt hat, also die Erwartung, die ich an mich selbst habe. Hierbei gilt es zu hinterfragen: Was möchte ich erreichen? Wo liegen meine Ziele? Welche Ziele habe ich und welche Erwartung stelle ich dahingehend an mich selbst? Die Definition von Selbsterwartung kummuliert in Fragen, die man sich stellen kann, wenn das Thema Selbsterwartung aufkommt. Diese gilt es für sich selbst zu beantworten, ohne Definition, ohne Hilfestellung, ganz allein für sich – frei von Perfektion, frei von Anforderungen, die Du an Dich für gewöhnlich stellst, geradewegs aus dem Bauch raus – ehrlich und aus Deiner Mitte.

Um zu den unfertigen Artikeln und den unfertigen Handstulpen zurückzukommen: Ich selbst erwarte manchmal ein wenig zu viel von mir und möchte mehr in meinen Alltag unterbringen als es möglich ist (er hat nun mal nicht 48 Stunden, sondern nur 24), deshalb ist meine Erwartungshaltung an mich selbst eine Haltung, die weniger an Erwartungen und mehr an meine persönliche Entfaltung geknüpft ist. Damit entspricht das weniger einer Erwartungshaltung als mehr einer wohlwollenden Achtsamkeit, mit der ich mir jeden Tag begegne, mir den Raum und die Zeit gebe, welche ich brauche, um nicht zuletzt doch wieder die angestrickte Handstulpe in die Hand zu nehmen, weil es sich mit zwei weniger friert als mit einer bei minus 3 Grad, auch im nächsten Winter 😉

Erwartest Du auch manchmal zu viel von Dir? Wie gehst Du damit um?

Imperfektion: Von der nicht perfekten Perfektion

Eigentlich wollte ich endlich den Artikel über Selbstoptimierung schreiben und tolle Tipps geben, wie man selbst an sich arbeiten kann ohne sich von Grund auf zu verändern oder sich anderweitig verbiegen zu müssen. Eigentlich. Eigentlich ist eigentlich kein Wort und dieser Artikel wird auch nicht von Selbstoptimierung handeln, zumindest nicht in dem Maße in dem ich es mir vorgestellt habe.

Im Idealfall erreiche ich meine Ziele – die kleinen in jedem Fall – und die großen können sich immer noch ändern, bevor ich sie erreiche und dann sind es andere Ziele oder leicht veränderte, in jedem Fall nicht mehr die, die es vorher einmal waren. Da bin ich auch schon an dem Punkt: Ziele.
Ziele finde ich unheimlich wichtig. Von persönlichen bis hin zu allgemeinen Zielen (wie zum Beispiel dem Klimawandel entgegen zu wirken oder nachhaltiger zu leben) und auch kleinen Zielen wie ein leckeres Mittagessen zu kochen. Ziele treiben an. Ziele motivieren. Ziele sind essentiell, um vorwärts zu kommen, denn stehen bleiben ist keine Option! Aber ist es wirklich keine Option oder kann abwarten, durchatmen, still stehen nicht auch mal genau das Richtige sein oder sogar ein Ziel, dem wir nicht hinterher hetzen als hätten wir keine Zeit für nichts? Und was wäre, wenn das wirklich das Ziel wäre? Wären wir in dem Moment weniger perfekt, weil wir mal nichts bewegen, weil wir mal nicht einer Tätigkeit nachgehen, weil wir mal nicht angetrieben werden oder uns selbst antreiben?

Was ist schon perfekt?

Nur weil ich seit dem ersten Absatz das Wort eigentlich (was im Grunde eben kein Wort ist laut einigen/vielen Menschen) nicht mehr verwendet habe oder weil ich tatsächlich der Meinung bin mit meiner Rede über Ziele einen Soll zu erfüllen, indem ich betone, dass ich sie mag oder weil ich gerade durch das Eingestehen nicht immer von ihnen getrieben sein zu müssen/wollen auch mal entspannen kann? Vielleicht ist gerade diese sich einschleichende und nicht eindeutig erkennbare imperfekte Perfektion, die sich zum Thema Ziele breit macht und mich einhüllt wie einen schützenden Mantel genau die Art, die es an dieser Stelle und zum Thema braucht? Thema? Ja, welchem Thema eigentlich? Vielleicht das Thema Imperfektion? Vielleicht das Thema Ziele? Vielleicht aber auch das Thema ‚Wie verfasse ich einen nicht perfekten und halbfertigen Blogartikel und traue mich diesen zu veröffentlichen‘? Vielleicht auch indirekt zum Thema Mut? Vielleicht auch ganz am Rande ein paar Worte zu mir als Bloggerin, die auf ihrem sich selbstoptimierenden Weg nicht zu perfektionistisch sein möchte?

Helft mir gerne weiter, aber zunächst einmal ein großes Dankeschön an die nicht perfekte Perfektion!

Herzlichst & voller Imperfektion ♥ Caro

Foto: Hannah Träum Weiter