Der Natur so nah… auf Knien | Fotografie

Sonntag. Der Blick auf die Uhr neben meinem Bett lässt mich wissen, dass der Tag im Grunde schon halb vorbei ist. Zum Teufel mit der Uhrzeit. Es ist Sonntag. Kaffee und Kamera machen den Rest.

Ich habe lange nach einem Ort gesucht an dem ich vollkommen zur Ruhe komme und mich nichts, rein gar nichts, aus dieser wieder rausreißen kann. So bin ich in der Natur gelandet – ohne Yogamatte unter dem Arm, ohne Meditation und halbem Lotussitz (ganz bekomme ich ihn nicht hin). Nur die Kamera und der Wald.

Auch wenn sich sonntags in dem Wald um die Ecke Menschen tümmeln. Sie nutzen den Sonntag für einen Spaziergang, Familienausflüge oder die große Runde mit dem Hund und die Ruhe mit dem Vogelgezwitscher wird durch menschliche Geräusche wie die Räder eines Fahrrads auf dem noch feuchten Waldboden, Kindergeschrei oder angeregte Gespräche durchbrochen. Trotz alle dem bin ich die Ruhe selbst und lasse mich von den Pfützen am Boden inspirieren, wofür ich auch mal auf die Knie gehe um das Bild so hinzubekommen wie ich es mir vorstelle.

Was mich an den Pfützen genau inspiriert und fasziniert hat?

Wenn man den Kontext weglässt entsteht ein vollkommen neuer Eindruck und eine ganz andere Perspektive auf die Natur, fast wie ein verkehrtes Gemälde, bei dem die Farben am Rand den Inhalt gekonnt einrahmen oder unruhige Stellen im Wasser das sonst klare Bild wie ein Stilmittel durchbrechen.
Die Natur ist da, sie ist nah, fast greifbar und doch nur eine Spiegelung dessen was sich tatsächlich um uns herum befindet.

Fährt jetzt jemand mit dem Fahrrad durch die Pfütze ist das Bild verschwommen, fast komplett verschwunden ähnlich wie die Zeit an einem schönen, sonnigen Sonntag.

Ruhe: In meinem Schneckenhaus

Stellt euch eine Schnecke vor mit einem Schneckenhaus auf ihrem Rücken. Sie schleicht langsam und gemächlich den Weg entlang, genießt die Umgebung, schleicht langsam an Menschen vorbei (bzw. die Menschen hetzen an ihr vorbei), sie fühlt sich sicher und geborgen, denn sie hat eine Sache was die anderen nicht haben: Ein Schneckenhaus auf ihrem Rücken, in das sie sich zurückziehen kann wann immer sie möchte.

Die Schnecke bin ich.

Wann immer ich das Gefühl habe, dass mir irgendwas zu viel wird, wann immer ich denke, dass es Zeit für eine Ruhepause wird, wann immer ich der Meinung bin, dass alles um mich herum zu eindrücklich ist, gehe ich in mein Schneckenhaus. Da ist es warm und angenehm entspannt, ich finde Ruhe. Ich kann mich konzentrieren, entspanne mich und nehme das wahr was ich wahrnehmen möchte: Ein paar Buchseiten, einen Artikel, ein Lied, den Bleistift auf dem Skizzenblock neben meinem Bett, ein Gedanke, dem ich folge während ich in der Bahn, auf dem Bett oder sonstwo sitze, die Luft in der Umgebung oder in der Natur. Nichts kann mich in diesem Moment erreichen, alles andere ist nichtig und klein, nicht vorhanden, unsichtbar. Alles andere hat in diesem Moment keine Bedeutung.

Manchmal bin ich daheim, manchmal bin ich draußen – in meinem Schneckenhaus.

Hast Du auch ein Schneckenhaus? Wenn ja, wie sieht das aus?

Im Zug: Von unverhoffter Ruhe und dem Gefühl nicht zu Hause zu sein | Kleines Experiment

Ich sitze da blicke aus dem Fenster und die Landschaft zieht an mir vorbei. Ab und an durchbrechen Häuser und graue, betonierte Straßen das Grün. Das Grün über dem sich ein milchiger Schleier ablegt, eine trübe Scheibe, durch die ich blicke und mich in das Spiel aus Nebel und Sonne reinlege. Entspannt lehne ich mich zurück und schaue nach draußen, meine Gedanken schweifen, ich denke an nichts, nichts besonderes, vielleicht an die Natur, vielleicht an die warme Sonne und das gleißende Licht, dass sich durch das Zugfenster beißt, vielleicht an den letzten Urlaub, der wie gestern im Gedächtnis hängt, an fliegen und Freiheit, vielleicht einfach an etwas Schönes und die Ruhe die ich empfinde. Das leichte Rattern des Zuges, mal lauter mal leiser, das Ruckeln in der Kurve, der Sitz, der sich schon gewohnt und etwas härter ins Gesäß bohrt und mein zweiter Arbeitsplatz mit dem kleinen Tisch vor mir, geben mir das beruhigende Gefühl, mich trotz der Bewegung, entfalten zu können: Ich kann lesen, schreiben, reflektieren, mich der Musik hingeben, mich in ihr verlieren, wie in meinen Gedanken, wenn ich aus dem Fenster blicke und dem Nebel dabei zuschaue wie er das Gras zudeckt und der Atmosphäre dadurch etwas Magisches verleiht. Ich entspanne, ich bin bei mir, ich genieße die Ruhe, die Ruhe im Zug. Ich berühre die Tasten, schreibe und gebe mich ganz dem Fluss meiner Gedanken hin.


Kleine Pause: Ich schreibe den Artikel heute Abend auf der Heimfahrt weiter bzw. zu Ende. Mal sehen was passiert. Über was schreibe ich? Wie fühle ich mich? Wie ist mein Schreibstil und wie sehen meine Gedanken aus? Wie wird der Titel sein?

Seid gespannt.

Liebe Grüße von unterwegs ♥ Caro


Fortsetzung von heute Morgen:
Wo fange ich an? Der erste Zug ist schon mal kein ICE, sondern ein RE (ich nenne das Bummelzug). Es ist von Anfang an ungemütlich, voller und lauter als heute früh. Dennoch schaffe ich es recht zügig (Haha, Wortspiel!) mich zurückzuziehen, abzuschalten und die Konzentration weniger auf die Umgebung als auf das zu richten was ich vor mir habe: Einen geöffneten Laptop, meine Gedanken, die unbedingt raus möchten, Tasten und eine Fahrt von zwei Stunden.
Bummelzug heißt gleichzeitig auch mehr Dörfer bzw. Städte, die am Fenster vorbeiziehen und ausschließlich durch die Schönheit des Himmels und der Wolken durchbrochen werden. Ich mag den Himmel, besonders dann wenn er in den unterschiedlichsten Farben erstrahlt, sich die Wolken dazwischen schieben und die Farben dadurch noch mannigfaltiger werden. Wenn dazu noch die Landschaft dementsprechend ist, könnte ich mich darin stundenlang verlieren, zeichnen, malen, träumen. Leider habe ich nicht viel Zeit für derartige Träume, denn der späte Nachmittag geht in den Abend über und es wird dunkel, sodass sich das Bild auf der anderen Seite des Fensters wie eine dunkle Endlosschleife entlang zieht und sich ausschließlich der Mond als heller, einsamer Fleck am Himmel davon abhebt.
Nach einem Umstieg sitze ich endlich in einem ICE und habe mittlerweile zu den Zeilen hier weiter an meinem ersten Buch geschrieben und Gedanken festgehalten, die ich schon lange einmal festhalten wollte. Trotzdem bin ich froh, dass ich statt in einem RE nun in einem schnelleren ICE sitze, der nicht bei jedem Kaff hält. Ich bin wirklich kein ungeduldiger Mensch und ich genieße die Ruhe wirklich sehr, aber ich finde es auch schön nach einem langen Tag endlich wieder nach Hause zu kommen. Und das ist wohl das einzige was ich im Zug nicht habe, aber daheim: Das Gefühl zu Hause zu sein.

Wandern: Zwischen Entspannung und Blasen an den Fersen

Ich liebe es spazieren zu gehen, am liebsten in der Natur, im Wald, an einem Fluss entlang und am liebsten so, dass ich keine anderen Geräusche wahrnehme als das Vogelgezwitscher und den Wind, der durch die Blätter weht.

Die Wanderschuhe
Wandern, die etwas ausgedehntere Variante von spazieren gehen begleitet mich schon eine Weile (seit Kindesbeinen um genau zu sein und damals fand ich das semi-toll, je nach Laune auch mal gut bis sehr gut), aber war in den letzten Jahren eine eher selten ausgeübte Aktivität. Dennoch (auch im Zuge weiterer geplanter Wandertouren) lag es nahe, sich endlich mal ein gutes Paar Wanderschuhe zu kaufen. Wie bei anderen Schuhen für spezielle Aktivitäten (Reiten, Joggen, Ballett,…), benötigt man nämlich auch für das Wandern besonderes Schuhwerk. Hier wird dann von Wald- und Wiesen-Wanderschuhen bis hin zu Hardcore-Bergsteiger-Wanderschuhen, von wasserdicht mit Gore-Tex bis hin zum geschmeidigen Volllederschuh mit unterschiedlichsten Fußbreiten so ziemlich alles angeboten. Nach zwei Besuchen im Fachhandel und weiteren Recherchen im Internet (nach einiger Zeit war ich dann schon Halbexperte im Gebiet Schuhsohlen von Wanderschuhen auf Stein und Waldweg), hatte ich endlich ein Paar von Lowa gefunden, das die meisten Anforderungen erfüllt und auch wenn die Farbe beim Wandern keine Rolle spielt: Die Wahl zwischen der Kombination dunkelblau/lila und schiefer/türkis weckte die modebewusste Seite an mir dann doch.

Einlaufen von Wanderschuhen
Nach dem Schuhkauf ist zu empfehlen die Wanderschuhe vor der ersten großen Wanderung einzulaufen, damit etwaige Druckstellen beseitigt werden können und sich der Schuh insgesamt besser an den Fuß anschmiegt. Bei meiner Schuhwahl, einem luftdurchlässigen Lederschuh, standen die Chancen 50/50, dass sich die Druckstellen und Blasen in Grenzen halten, da Leder im Normalfall noch einmal mehr nachgibt als Schuhe aus anderen Materialien wie Textilien, synthetischem Leder etc.

Der Wanderschuh-Einlauf-Weg
Beim Weg hatte ich überlegt, ob eine kleine Zwei-Stunden-Tour reicht oder eine größere Tour vielleicht besser ist, um die Grenzen beim Schuh auszutesten bzw. um ananas_petersilie_eisherauszufinden an welchen Stellen es drücken könnte. Die große Tour hat schließlich gewonnen: Ein Mal zum Cospudener See und zurück mit einem kleinen Stopp bei ‚Brot und Kees‘ (hier gab es ein exotisches Ananas-Petersilie-Eis – die Schuhe machen nämlich auch mutig :)), dem Sandstrand am Cossi und dem ‚Glashaus im Clarapark‘. Die Strecke umfasste dann insgesamt:
– 20,7 Kilometer
– 6 Stunden (mit Pausen)
– 28.297 Schritte
– 1 Stockwerk (wo auch immer das herkam)
– Waldwege/Wege mit steinigem Untergrund und geteerte Wege im Verhältnis 60/40

Von der ganzen Strecke fand ich die Waldwege bei denen die Bäume rechts und links empor ragten am Schönsten. Das Gefühl von Ruhe und vollkommener Entspannung stellt sich in diesen Momenten ein als gäbe es in mir einen Schalter, der mich und meine ganze Energie auf das geringste Maß senkt, meine Gedanken zum Schweigen bringt und mich in eine Welt eintauchen lässt, die so viel Wohlfühlatmosphäre und Natürlichkeit mit sich bringt, so viel Gelassenheit ausstrahlt und mich von jetzt auf gleich zufriedener, ruhiger und ausgeglichener macht. Auch wenn ich nach nicht ein mal zwei Stunden wandern schon die Druckstellen an den Fersen gemerkt habe (die Blasen rechts und links waren nicht zu vermeiden, der Muskelkater geht einigermaßen), war der Weg jeden einzelnen Schritt wert. Jeder Schritt war Entspannung pur, jeder Schritt hat mich meinem Ziel die Schuhe richtig einzulaufen näher gebracht, jeder Schritt hat mir gezeigt, dass ich mit den Wanderschuhen eine Entscheidung getroffen habe, die ich, trotz nicht ganz unerheblicher Schmerzen an den Füßen und in den Beinen, nicht bereuen werde, jeder Schritt hat mir bestätigt, dass meine Leidenschaft für Spaziergänge und die Natur mitunter die schönste ist, die ich habe und nun auch professionell genießen kann.
entspannung_waldweg

Fazit
Schicke und tolle Wanderschuhe, eine ruhige, schöne Wandertour, die mich mal wieder unheimlich entspannt hat. Zum Einlaufen würde ich das nächste Mal (also bei den nächsten Wanderschuhen) eine kleinere Tor von zwei bis drei Stunden wählen.

Hast Du auch Wanderschuhe? Und wenn ja, hattest Du auch Blasen bzw. wie war Deine Einlauftour?

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